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Was bedeutet Ihnen das Wohlergehen Ihres Nächsten?



Eine Studie zeigt: Einzelkinder sind stärker am Wohl ihres Partners interessiert als Kinder mit Geschwistern.

Jede Gesellschaft braucht ein gewisses Mass an Kooperation, Fairness und Ehrlichkeit um zu bestehen. Gewisse Menschen verfügen sogar über ein tiefsitzendes Bedürfnis, anderen zu helfen. Irgendwie ist den meisten Menschen das Wohlergehen des andern nicht gleichgültig. So setzen sich Einzelne für eine gerechte Verteilung der Ressourcen ein.

„Im Ultimatum-Spiel benehmen sich etwa die Hälfte der Versuchspersonen wie Altruisten“, sagt Klaus Schmidt, Wirtschaftsprofessor in München.

Das Ultimatum Spiel (siehe Kasten) zeigt es deutlich: Wären die Menschen reine Gewinnmaximierer, müssten sie alle Angebote annehmen, die das besitzende Gegenüber macht. Auch wenn es nur den geringsten positiven Ertrag bringt. Aber zahlreiche Experimente haben gezeigt, dass viele Probanden solche Angebote ausschlagen. Sie wünschen eine faire Verteilung. Gibt es die nicht, so soll lieber keiner der beiden Spieler etwas bekommen. „Es ist schon überraschend, dass so viele positive Angebote abgelehnt werden, obwohl Spieler B dadurch ja eigenes Geld wegwirft“, meint Schmidt.

Warum hat sich im Laufe der Evolution ein Teil der Menschheit eine stark gemeinsinnige Ader erworben, wenn doch die Verfolgung rein eigennütziger Strategien kurzfristig mehr Nutzen zu versprechen scheint?

Forscher um den Verhaltensökonomen Ernst Fehr von der Universität Zürich haben kürzlich versucht herauszufinden, woher dieses Bedürfnis nach dem Wohl des Nächsten kommt und in welchem Alter es entsteht.

Das erstaunliche Ergebnis verschiedener Versuche mit 229 Kindern unterschiedlicher Altersstufen zeigt, dass drei bis sechsjährige Kinder vorallem an sich selbst denken. Erst ab dem siebten Lebensjahr waren sie am Wohl des Gegenübers interessiert und bereit, zu teilen. In den Versuchen teilten Einzelkinder signifikant häufiger als Kinder mit Geschwistern.

„Dieser Befund haben uns überrascht und sie widerlegen das gängige Vorurteil“ sagt Fehr. Das Vorurteil bezeichnet Einzelkinder als stärker am eignen Wohl interessiert als Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen. Gerade das Gegenteil trifft in den Versuchen zu. Als mögliche Erklärung für das Phänomen meint Fehr, dass Einzelkinder gewöhnlich nicht um Ressourcen kämpfen müssen. Mit dem Teilen erwerben sie sich den Kontakt zum Andern.

Kasten: Das Ultimatum Spiel

Zwei Probanden, A und B, müssen eine Beute unter sich aufteilen. Der Spielleiter hat A 100 Euro gegeben, davon muss dieser einen Anteil an B abtreten. A macht B ein Angebot. Der kann annehmen oder ablehnen. Wenn B ablehnt, zieht der Spielleiter die 100 Euro wieder ein, und beide Probanden gehen leer aus. Das ist der Trick des sogenannten Ultimatum-Spiels: Es zeigt, dass Menschen nicht nur eigene Gewinne, sondern auch die Erträge der anderen gewichten und in ihre Überlegungen einbeziehen.

 

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