|
GTH Schweiz |
Schweizerische
Gesellschaft für Therapeutische Hypnose und Hypnoseforschung |
|
Das
Autogene Training (AT)
Katharina Hilger Nicht nur in Lerngruppen, sondern auch in Supervisionsgruppen von praktizierenden Seminarleitern für AT wird resignierend geschildert, dass das AT bereits mehrfach "probiert/versucht" wurde ohne Erfolg. Genauere Informationen lassen dann erschliessen, dass es sich dabei handelte um Heterohypnose, Selbsthypnose, vielerlei Meditationen, gelenkte Phantasiereisen angereichert mit z. T. weltanschaulichen "Zutaten" oder allerlei "magisch-mystischem" Beiwerk. Der Phantasie gewisser AT-Seminarleiter sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Diese "Versuche" schreiben tägliches Training von bis zu dreimal oder öfter 20 Minuten Üben vor, damit sich als Resultat bedingte Reflexe für prompte Entspannung bahnen sollen. Das AT hat sich seit über 80 Jahren in seiner Originalversion nach seinem Begründer Schultz bewahrt. Es gibt Tausende von wissenschaftlichen Veröffentlichungen über dieses Thema, die Variationen darstellen, die nicht nur orthodox AT darstellen, sondern eher Abwandlungen als "Verschlimmbesserungen". Wenn (ehemalige) Kursteilnehmer von Enttäuschungen mit dem AT berichten, nachdem sie ein völlig anderes Verfahren von vielleicht inkompetenten oder desinformierten Seminarleitern vermittelt erhielten, schadet das vielleicht dem Image des AT. Die GTH vermittelt das AT nach der immer wieder bewährten Vorgehensweise, wie Schultz sie entwickelt hat und bei der versierte und auch erfahrene Seminarleiter für AT i. d. R. bleiben oder nach Variationen zurückkehren. Das AT wurde - wie auch die Psychoanalyse - aus der Hypnose heraus weiterentwickelt als autosuggestives, konzentratives Übungsverfahren. Aus sich selbst heraus sich entwickelnd, sich selbst etwas erarbeiten ist das Prinzip dieser "konzentrativen Selbstentspannung" als "übender Weg zur Selbsthypnose" lnauguriert hat das AT J. H. SCHULTZ um die Jahrhundertwende bis Mitte der zwanziger Jahre und erstmals veröffentlicht 1926.
Im Stadium der vollständigen Gelöstheit, in der ein hypnoider Zustand entsteht, können Einsichten durch "formelhafte Vorsätze" eingeprägt werden; ein Verfahren, das in etwa dem "posthypnotischen Auftrag" oder dem "wandspruchartigen Leitsatz" vergleichbar ist. Im AT werden Selbstheilungskräfte mobilisiert, wie bei einer körperlichen Wunde der Heilungsprozess durch Behandlung beschleunigt werden kann - obwohl die Heilung prinzipiell von innen erfolgt - so ist dies bei seelischen Prozessen vergleichbar den therapeutischen, von aussen kommenden Hilfestellungen. Werden keine neuen Verletzungen gesetzt, arbeitet sich der gesunde Persönlichkeitskern heraus. Das gilt sowohl bei seelischen Erkrankungen als auch im Selbstverwirklichungsprozess Gesunder. Das AT hat gewisse Beziehungen zu meditativen Verfahren. Während jedoch beim AT die Grundübung physiologische Phänomene hervorruft, die erst die Voraussetzung für die geistige Umschaltung bilden , stehen bei den meditativen Verfahren geistige Phänomene im Vordergrund, während die allgemeine Entspannung und physiologische Entspannung erst als Nebenprodukt auftreten. Das Grundprinzip besteht darin, dass durch die autogene Entspannung rückwirkende Effekte auf Hirnstamm und Cortex ausgelöst werden, die dann den hypnoiden Zustand hervorrufen. Hypnoide und meditative Zustände unterscheiden sich ungeachtet ihrer Genese physiologisch deutlich vorn Schlaf. Während das Bewusstsein im Schlaf in seiner gesamten Breite abgesenkt ist, wird es während der sechs Übungen des AT sukzessive gleichzeitig eingeengt und abgesenkt. Dadurch kommt es zu Körpersensationen (Schwere, Wärme, Organ-Körpergefühlen), auf die der Übende zwar konzentriert ist, trotzdem aber in seinem Versenkungszustand bleibt. Dabei wird zunächst nur auf die objektiv vorhandenen Daten eingegangen = Eigengewicht/wärme, autonome Systeme. Die Vigilanzstufen werden von vielen Wissenschaftlern in mehr oder weniger grossen Abständen eingeteilt und genau beschrieben. Da aber diese Abstufungen des Wachheits- oder Aufmerksamkeitsgrades kaum hinreichend voneinander abgegrenzt werden können und auch ständig ineinander Übergehen, möchte ich nach LANGEN von dem Stufenmodell (Fahrstuhl) abgehen und feinere Unterteilung (Paternoster) in Nuancen vorschlagen. Dabei sind sämtliche Übergänge fliessend von überwachem Bewusstsein gespannter Aufmerksamkeit, über Alltagsbewusstsein, freischwebender Aufmerksamkeit, Tagträume, oberflächlichem (träumend) und tiefem (traumlosem) Schlaf bis zur völligen Bewusstlosigkeit. Ebenso verändert sich auch die Bewusstseinsbreite. Das lässt sich vorstellen wie ein Trichter: Am oberen Rand wäre gedachtermassen die Höhe und die Breite des Wachbewusstseins. Während der sechs Stufen im AT kommt man Schritt für Schritt in einen Zustand, in dem das Bewusstsein gleichzeitig abgesenkt und eingeengt wird. Trotz dieses Versenkurigszustandes, richtet sieh das Bewusstsein also fokussiert auf das Training. Der 1973 verstorbene Alt-Therapeut ROSA berichtet von AT-Oberstufenerlebnissen, die diesen gedachten Trichter in die dritte Dimension erweitern. Auch während der Schlafphasen ist das Bewusstsein mehr oder weniger tief abgesenkt; aber in seiner gesamten Breite, so dass im Traum vom Unterbewusstsein alles hochkommen kann, was es in der gesamten Breitenpalette gibt. Sowohl im AT als auch in Meditationen und Hypnose ist das Bewusstsein eingeengt und abgesenkt. Diesen Zustand nutzt man, um durch auto- oder heterosuggestive Eingebungen etwas in das Tiefenbewusstsein zu verankern. Je eingeengter das Bewusstsein ist, desto tiefer senken sich die Suggestionen ein. Erhält man diesen Versenkungszustand lange genug aufrecht, treten früher oder später spontan Farberlebnisse auf, die Produktionen aus dem Unterbewussten sind (nicht aus dem Unterbewusstsein wie in Tagträumen). Diese Produktionen nehmen den umgekehrten Weg wie die Suggestionen. Das lässt sich nach dem Trichtermodell nunmehr so vorstellen, dass aus dem schmalen unteren Teil (analog einem Schlüsselloch = Einschränkung des Bewusstseins) Eindrücke hochströmen bzw. sich aus dem Dunkel heraus entwickelnd aufsteigen. Das ist Meditation. Kursablauf, Frequenz, 6ruppengrässe Die sechs Übungen des AT können in mindestens sechs bis maximal zwölf Wochen vermittelt werden. Erlernt sind sie u. U. erst nach weiterem systematischen Üben -je nach individuellen Gegebenheiten. Beim ersten Zusammentreffen der Gruppe stehen das gegenseitige Kennenlernen und das Vorstellen des Verfahrens im Vordergrund. Wichtig ist auch, die Vorerfahrungen mit ähnlichen Methoden und die Erwartungen zu eruieren. Meist wird dabei bereits die erste Grundübung des AT, nämlich
die Schwere-Übung sowie selbstverständlich das Zurücknehmen
(also das richtige Beenden der Entspannungsübung) erklärt und
gemeinsam eingeübt, damit sich bei den Kursteilnehmern das Gefühl
für die Zeit von einer Minute einprägt. Auch gibt diese erste
praktische Anwendung der Übung dem Kursleiter Gelegenheit, die Sitzhaltung
bei jedem Kursteilnehmer zu überwachen und evtl. zu korrigieren.
|
| GTH
- Gesellschaft für Therapeutische Hypnose und Hypnoseforschung |
||